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Nachhaltigkeit in der Textilbranche

Nachhaltigkeit in der Textilbranche

Was bedeutet das für unser Kaufverhalten und woran erkenne ich nachhaltige Kleidung?

In den letzten Jahren wurden Bio, Fair Trade und Nachhaltigkeit immer mehr zu einer Grundeinstellung für eine wachsende Bevölkerungsgruppe. Dadurch haben diese Begriffe auch in der Modewelt Einzug gehalten. Wir hinterfragen nicht nur wo unsere Kleidung produziert wird und von wem, sondern auch den Produktionsprozess, wie etwa den Einsatz von Pestiziden bei der Rohstoffherstellung oder giftiger Farbstoffe bzw. Chemikalien in der Rohstoffveredelung.

ABER: Es wird immer noch in Massen in Billigländern produziert und der tatsächliche Wert eines Kleidungsstückes aus ökosozialer[1] Sicht hat sich noch nicht manifestiert. Das widerspricht aber klar der Grundeinstellung der eingangs genannten Bevölkerungsgruppe.

Zuerst möchte ich den Begriff Nachhaltigkeit definieren, denn aktuell ist dieser Begriff meiner Meinung nach sehr divergent im Einsatz. Bedeutet Nachhaltigkeit, dass man nur Produkte aus Naturmateralien oder recycelten Materialien kauft? Müssen diese immer Bio sein? Es wäre schön, wenn das so einfach wäre, aber das ist es leider nicht.

Für mich bedeutet Nachhaltigkeit:

Ich bin ganz klar für die Verwendung von Naturmaterialien. In Relation zur ihrem nachfolgenden Lebenszyklus sollen diese möglichst ressourcenschonend angebaut werden. Dabei achte ich auch darauf, ob und in welchem Ausmaß Abfallprodukte bei der Rohstoffproduktion entstehen. Ich präferiere Textilien, welche bei der Rohstoffproduktion ein durchgängiger Zyklus haben. Das bedeutet für mich, dass keine oder nur geringe Mengen an chemischen Zusätzen benötigt werden. Bei der Veredelung der Stoffe (z.B.: Färben) ist es für mich sehr wichtig, dass dies ohne chemische Zusätze erfolgt. Des Weiteren verarbeite ich einerseits Stoffe zu Textilprodukten, welche sehr lange eingesetzt werden können und andererseits verwende ich Materialien wieder (Upcycling), um den Lebenszyklus weiter zu verlängern.

Mst. Mag. Katharina Rose alias Rose(n)KOHL

Recycling

Aktuell ist beim Thema Nachhaltigkeit ein Trend zu erkennen und zwar, das Recyclen von Abfällen und deren Wiederverarbeitung zu Kleidungsstücken. Abfälle zu trennen und zu recyceln ist sehr wichtig. Recycelte Materialien im Kleidungsbereich sehe ich aber eher kritisch. Macht es Sinn Plastikmüll zu Kleidung zu verarbeiten, die dann in der Waschmaschine gewaschen wird und dadurch erst recht in noch verkleinerterem Zustand in unsere Wassersystem gelangt? Meiner Meinung nach nicht. Viele Kleidungsstücke bestehen aus Mischmateralien (ein gute Bespiel ist hier Bekleidung mit einem Elastananteil). Je mehr Materialarten in einem Textilprodukt enthalten sind, desto schwieriger und aufwendiger wird es diese wiederzuverwerten. Dies ist also ein sehr komplexes Thema, dem wir uns ein anderes Mal näher widmen werden.

Ein klarer Fokus muss sein Produkte aus nachhaltigen Materalien herzustellen, die einen sehr langen Lebenszyklus haben und deren Lebenszyklus z.B. durch Upcycling noch weiter zu verlängern.

Aber nun zurück zum Thema Nachhaltigkeit im Bezug auf unser Kaufverhalten. Grundsätzlich gibt es hierfür ein paar Punkte, die man beim Kauf beachten sollte:

  • Produktionsland
  • Material
  • Gütesiegel

Produktionsländer

Ich habe mich dazu entschlossen Textilprodukte in Österreich herzustellen, um einen Beitrag zur Nachhaltigkeit in der Textilbranche zu leisten. Ich verarbeite fast ausschließlich nachhaltige Materialien. Diese werden in Österreich oder zumindest in der EU produziert. Die Schneiderei Rose und das Modelabel Rose(n)KOHL stehen also genau für die oben genannten Grundsätze.

Ich behaupte nicht, dass nur in Österreich produzierte Textilprodukte diesen Grundsätzen entsprechen, aber die Nachverfolgbarkeit bei Produkten, die in anderen Ländern produziert werden, ist schon wesentlich komplexer.

  • Wer produziert die Produkte?
  • Wie sind die Arbeitsbedingungen?
  • Welche chemischen Mittel kommen zum Einsatz?

Material

Zuerst muss man beim Kauf eines Kleidungsstückes eine Grundsatzentscheidung treffen, nämlich welche Materialien für einen in Frage kommen. Kaufe ich Kleidung aus Baumwolle oder doch lieber nur Bio-Baumwolle, Leinen oder Halbleinen, Wolle, Stoffe aus Chemiefasern (Viskose, Polyester, etc.) oder Mischungen?

Bei der Materialauswahl sind meiner Meinung nach folgende Fragestellungen relevant:

  • Was will ich tatsächlich auf meiner Haut tragen?
  • Wie lange möchte ich es tragen?
  • Wie oft werde ich es waschen?
  • Welche Auswirkungen hat die Produktion, aber auch die Verwendung dieses Materials auf die Umwelt?

Die Fragen klingen, als ob sie sehr simpel zu beantworten wären, aber hierbei handelt es ich um komplexe Fragestellungen, da der Produktionsprozess von Textilprodukten sehr komplex ist. Um bei der Vielfalt an möglichen Materialien parat zu haben, welches Material nachhaltig ist und welches nicht, muss man sich schon sehr im Detail darüber informieren. Die Rohstoffproduktion, die Stoffherstellung, die Veredelungsprozesse und die tatsächliche Verarbeitung des Materials zu einem Kleidungsstück. Hier kommen die Gütesiegel ins Spiel.

Gütesiegel

Gütesiegel sind ein tolles Hilfsmittel, um auf einen Blick zu sehen, ob ein Produkt für mich in Frage kommt oder nicht. Für Textilprodukte gibt es diverse Siegel, welche einen oder mehrere der folgenden Punkte beurteilen:

  • Rohstoffproduktion
  • Herstellung
  • Transport / Handel
  • Nutzungsphase
  • End-of-Life

Ist das wirklich so einfach? Nein, meiner Meinung nach ist es das nicht.

Es gibt sehr viele Siegel und ich bin der Meinung, dass man schnell den Überblick verliert, wer hinter einem Siegel steckt und wie glaubwürdig dieses ist, oder ob die Abbildung auf dem Produkt nur ein Siegel imitieren soll, um das Produkt hochwertiger wirken zu lassen?

Eine ganz gute Seite zum besseren Verständnis der unterschiedlichen Siegel ist Siegelklarheit.de. Auch greenpeace beschäftigt sich mit dem Thema Textilsiegel. In diesem Artikel wird ein Überblick über die wichtigsten Siegel, in der Produktion eingesetzte Chemikalien und Sozialstandards. Wer sich grundlegend mit diesem Thema auseinandersetzten möchte, sollte sich diesen Artikel unbedingt durchlesen.

FAZIT

Der Kauf von Kleidung oder noch weiter gefasst der Kauf von Textilprodukten ist nichts was man einfach mal so nebenbei machen sollte, ohne sich Gedanken über die Folgen der Kaufentscheidung zu machen. Ja, derzeit ist es für Kunden nicht so einfach alle relevanten Informationen zu erhalten bzw. bei der Flut an Siegeln den Überblick zu bewahren. Aber, das nimmt uns nicht aus der Pflicht, dass wir im Zuge der Kaufentscheidung folgenden Fragen für uns beantworten:

  • Brauche ich das Produkt wirklich und wenn ja, für wie lange?
  • Aus welchen Materialien besteht das Produkt? (Damit kann ich zumindest ansatzweise abschätzen wie Nachhaltig das Produkt ist)
  • Wo wurde das Produkt hergestellt?

Wir stehen beim Thema Nachhaltigkeit in der Textilbranche also noch am Anfang, aber es zeichnet sich ab, dass wir hier in den nächsten Jahren einige positive Entwicklungen erleben dürfen und damit es wirklich dazu kommt, können wir mit unserem Kaufverhalten einen wertvollen Beitrag leisten.


[1]Die Ökosoziale Marktwirtschaft, auch Ökologisch-soziale Marktwirtschaft, ist eine wirtschafts-, umwelt- und gesellschaftspolitische Zielvorstellung, die ein nachhaltiges Wirtschaften und den Umweltschutz als politische Kategorien in die Soziale Marktwirtschaft mit einbezieht.

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